Publikationen

ESVP und der Primat des Zivilen

Europa wird sich bald eine eigene Verfassung geben. Dies ist ein historischer Meilenstein. Kriege, Vertreibungen und Misstrauen gehören damit endgültig der Vergangenheit an. Demokratische Teilhabe, Rechtssicherheit, soziale Gerechtigkeit und Gewaltenteilung treten an die Stelle einer schrecklichen Vergangenheit. Ein nie zuvor gekanntes politisches Gebilde wird für künftige Generationen zur Selbstverständlichkeit. Europa wird sich primär als eine zivile Macht konstituieren. Die Diskussionen und die Entscheidungen über eine europäische Verfassung finden in einer Zeit statt, in der sich das internationale System wandelt. Möglicherweise sind wir Zeugen eines elementaren Bruchs, der aus einem unterschiedlichen Sicherheitsempfinden auf beiden Seiten des Atlantiks resultiert. Man kann dies in einem Bild skizzieren: Das Zahlenpaar 9 und 11 ist in Europa und in den USA mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen verbunden: In der amerikanischen Kalenderschreibweise steht die Kombination nine-eleven für den 9. September 2001, dem Tag der Anschläge in New York und in Washington. Dagegen markiert der 9.11. in Europa das Ende des Ost-West-Konflikts und den Beginn der deutschen und europäischen Wiedervereinigung. (...)
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Berlin, 24.06.2003

Staatendemokratie und innerstaatliche Demokratie

Sind die Vereinten Nationen nach dem Irak-Krieg zum Sanierungsfall geworden? Sieht nicht Generalsekretär Kofi Annan selbst die Organisation "an einem Scheideweg"? Verlangt er nicht, daß ihre "internationale Sicherheitsarchitektur ... sich den Bedürfnissen unserer Zeit anzupassen" habe? Die Reform der Vereinten Nationen ist ein ständig wiederkehrender Topos des Diskurses der Staatengemeinschaft, und die Forderung trifft zunächst weithin auf Zustimmung. Allerdings sind die Inhalte der Reformvorstellungen unterschiedlich, oft schließen sie sich sogar gegenseitig aus. Es verwundert daher nicht, daß eine Umgestaltung der UN-Institutionen vorerst recht unwahrscheinlich ist. Denn trotz des 11. September und der Irakkrise hat sich die Interessenlage der fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates nicht entscheidend verändert. Die Erweiterung des mit der Hauptverantwortung für Weltfrieden und internationale Sicherheit betrauten Hauptorgans, die zeitweise in greifbare Nähe gerückt zu sein schien, entschwindet am Horizont. Das Interesse an einer Reform des Rates mit weiteren Ständigen Mitgliedern, inklusive eines widerspenstigen Deutschland, dürfte bei der mächtigsten Vetomacht, den Vereinigten Staaten, auf Grund ihrer jüngsten Erfahrungen kaum gestiegen sein. (...)
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Vereinte Nationen 5/2003, S. 163/164

Operation ARTEMIS: Einsatz ohne Ende?

Der Deutsche Bundestag hat heute dem Einsatz von bis zu 350 Bundeswehrsoldaten in der Stadt Bunia in der Demokratischen Republik Kongo zugestimmt. Es handelt sich in der Regel um Transportunterstützung. Die Stationierung selbst findet in Entebbe, außerhalb der Konfliktregion, statt. Der Einsatz ist bis zum 1. September 2003 befristet. Die Bedingungen sind so gewählt, dass deutsche Soldaten wahrscheinlich nicht in mögliche Kampfhandlungen verwickelt werden. Nachdem die Vereinten Nationen (UN) während des Irak-Krieges einen massiven Bedeutungsverlust erlitten hatten, ist es gut, dass dieser Einsatz unter UN-Mandat nach Kapitel VII der Charta durchgeführt werden kann. Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, zahlreiche örtliche Rebellengruppen und auch die selbst in den Konflikt verwickelten Nachbarländer Ruanda und Uganda haben der Stationierung zugestimmt. (...)
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Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 132, 4/2003

Für ein kernwaffenfreies Nordkorea

Die Bearbeitung der gegenwärtigen Krisen im Nahen Osten und in Asien sind strukturbildend für die künftigen internationalen Beziehungen. Dies gilt aktuell für den Irak. Und es gilt für Korea. Die von Nordkorea für die Region ausgehende Bedrohung ist vermutlich sogar größer als das Bedrohungspotenzial des Irak. Die Frage ist: Erhalten Kooperation und Verifikation bei der Krisenbewältigung eine Chance oder wird das ohnehin labile nukleare Umfeld Asiens um eine weitere, kein Risiko scheuende Atommacht, bereichert? Dem schließt sich eine Reihe weiterer Fragen von grundsätzlicher Bedeutung an: Führen Systeme, die ursprünglich zum Schutz der territorialen Integrität erdacht und installiert werden, wie der Aufbau einer regionalen Raketenabwehr in Nordostasien, letztlich nicht zu größerer Unsicherheit in der Region? Welche Schlussfolgerungen werden mögliche neue Kernwaffenbesitzer aus der so grundsätzlich unterschiedlichen Reaktion der USA ziehen, obwohl doch sowohl im Irak als auch in Nordkorea autoritäre Regime nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen streben? Wird Japan, das die Zerstörungskraft der Atomwaffe erleben musste, sogar eine nukleare militärische Option erwägen? (...)
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Kölner Stadtanzeiger, 12.02.2003

Die Zukunft der Rüstungskontrolle: Perspektiven bei der Implementation und Verifikation

Die Rüstungskontrolle befindet sich - je nach Betrachtungsweise - in der Krise, der Stagnation oder ist bereits sanft verschieden. Nach dem Ende des Kalten Krieges steht das Konzept der Rüstungskontrolle heute vor einer doppelten Herausforderung: Es muss sowohl den strukturellen Veränderungen des internationalen Systems nach 1989 als auch der technologischen Dynamik des Informationszeitalters angepasst werden. Einerseits distanzieren sich die maßgeblichen Entscheidungsträger in den USA vom Konzept der Abrüstung und Rüstungskontrolle, andererseits sind die bestimmenden Triebkräfte der Informations- und Kommunikationstechnologie heute in erster Linie im kommerziellen Bereich zu finden. Vor allem im Bereich der Informationstechnologien, die heutzutage Eingang in praktisch alle modernen Waffensysteme gefunden haben, verwischt damit zunehmend die Grenze zwischen militärischen und zivilen Systemen. Auch für die Rüstungskontrolle hat somit das postmoderne Zeitalter begonnen. (...)
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Vierteljahresschrift für Sicherheit und Frieden (S+F) 2/2003, S. 63-70

Irak-Konflikt und US-Strategie

Wir sind gegenwärtig Zeugen bedeutender Veränderungen des Internationalen Systems. Ein drohender Krieg im Irak würde diese beschleunigen und hätte verschiedene Auswirkungen: Der weiterhin ungehinderte Zugang zu und der Transport von wichtigen Rohstoffressourcen bleibt für alle Industriegesellschaften existenziell. Dies gilt vor allem für die USA, deren nationale Rohstoffpolitik sich an einem bedeutenden Zuwachs fossiler Brennstoffe ausrichtet. Ob zu deren Sicherung künftig auch militärische Interventionen als adäquates Mittel angesehen werden, entscheidet sich unter Umständen im Irak. Der Krieg wird dabei auch auf die politischen Systeme im Nahen und Mittleren Osten einwirken und darüber hinaus auch die Neuordnung eines palästinensischen Staates beeinflussen. Darüber hinaus würde ein Krieg auch dem internationalen Terrorismus neue Nahrung geben. Und nicht zuletzt könnte ein Dritter Golfkrieg der Auslöser für eine weltpolitische Konfrontation zwischen Islam und Christentum sein. Nicht nur in der Summe sondern schon allein für sich genommen sind diese Ergebnisse problematisch genug. Strukturbildend wird hingegen sein, ob die neue "Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika" in Zukunft auch praktische Gültigkeit bekommen wird. Welche revolutionäre Auswirkungen dies für die internationale Politik haben würde, kann am besten durch einen Rückblick auf die Grundzüge des Internationalen Systems nach Ende des Zweiten Weltkrieges verdeutlicht werden. (...)
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Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 130, 2/2003

Zehn Jahre nach dem Ende der Bipolarität - Herausforderungen an die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik

10 Jahre nach dem Ende der Bipolarität - eine Bilanz Doch der Aufruf zum Gewaltverzicht blieb auch die weiteren Jahrhunderte ungehört. Hätten die Regierenden die Aufforderung der Kölner Stadtsoldaten befolgt, wäre Europa einiges erspart geblieben. So wurde der Kontinent und später die Welt weiter mit Kriegen und Massenmord konfrontiert. Am Ende dieses Jahrhunderts schien der Gewaltverzicht für kurze Zeit in die internationale Politik zurück zu kehren, war doch das Ende eines Macht- und Systemkonflikts erstmals in der Geschichte unblutig verlaufen. Weniger Gewalt, Vorbeugung und soziale Sicherheit sollten die alten Konfliktformationen ablösen. (...)
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Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 116, 6/2000

Irrlehren - Eine erste Nachlese zum Natokrieg in Jugoslawien

"Es wird ein nächstes Mal geben, obwohl ich nicht weiß, wann und wo." (Generalinspekteur a.D. Klaus Naumann in der FAZ vom 01.10.1999) Der Natokrieg gegen Jugoslawien war eine Zäsur in der Weltgeschichte. So hieß es in den Tagen der medialen Erregung vom 24. März bis zum 09. Juni 1999. Allerdings ist diese Einsicht in den Hintergrund gerückt. Alles was vom Krieg geblieben zu sein scheint, sind selbstgerechte Tagebücher und Kurzmeldungen in der Tagespresse, die vor allem eines dokumentieren: nicht ein multiethnisches, sondern ein ethnisch homogenes Kosovo ist in 78 Nächten herbeigebombt worden. (...)
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Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 110, 6/1999

Fragwürdige Parallelen | Atomare Abschreckung in Südasien

Am Ende des Jahrhunderts steht fest: Das Zeitalter der großen Kriege wird in Europa nicht mit einer Abrüstungsdekade enden. Vielmehr waren die vergangenen Jahre eine Phase der verpassten Abrüstungschancen. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts ist der Abrüstungsprozess praktisch zum Erliegen gekommen. Rüstungskontrolle und Abrüstung sind aus den Schlagzeilen der Tageszeitungen verschwunden. Heute wird das Für und Wieder militärischer Eingriffe in zwischen- und innerstaatliche Konflikte erörtert. Kein Tabu wird mehr ausgeklammert: Der Generalinspekteur der Bundeswehr philosophiert öffentlich über die Einsatzmöglichkeit der Streitkräfte in der Kriminalitäts- und Terroristenbekämpfung. Die Remilitarisierung der Sicherheits- und Innenpolitik ist in vollem Gang. Gefordert werden größere Mobilität der Streitkräfte, punktgenaue Waffenwirkung und höhere Offensivfähigkeit. Qualitative Kriterien für den Rüstungskontrollprozess oder Konzepte zur Defensivorientierung sind von der Tagesordnung genommen. (...)
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Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 109, 5/1999

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