Publikationen

Atomare Hegemonie

Die USA sind gegenwärtig der Hegemon im internationalen System. Sie verfügen über ausreichende technische, wirtschaftliche, kulturelle und militärische Ressourcen, also "Power und Mission" , um Führerschaft auszuüben. Damit reihen sie sich in eine Gruppe von Ländern ein, die in der Vergangenheit Hegemonialmacht waren. Wie diese betreiben sie ebenfalls Machtpolitik mit Sendungswillen, um eine internationale Ordnung nach ihren Vorstellungen zu errichten. Die USA unterscheiden sich jedoch insoweit von ihren Vorgängern, dass ihre hegemonialen Instrumente weltweite Reichweite haben und nahezu unmittelbar wirken. Ein weiteres neues Merkmal ist das enorme militärische Potenzial, das ausreicht, alles Leben auf der Erde zu vernichten. Wie lange der amerikanische Hegemoniezyklus dauern wird, ist ungewiss. Möglicherweise erleben wir derzeit bereits eine Diffusion der US-Hegemonie. Die Volksrepublik China steht als Konkurrent und potenzieller Nachfolger bereit. Andere Länder, etwa Indien oder Brasilien, beanspruchen verstärkt eine regionale Führungsrolle. Die Fähigkeit der USA, die Welt zu ordnen, scheint zu schwinden: Der Versuch, die Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens durch den Irak-Krieg anzustoßen, ist misslungen. Die Unwilligkeit, internationale Normen und Regeln zu akzeptieren, wird von anderen globalen Akteuren nicht mehr vorbehaltlos akzeptiert. Spannungen wie die Nordkorea-Krise, die mit nationalen Interessen kollidieren könnten, sind nicht mehr allein beherrschbar. (...)
Veröffentlicht: 
In: Blätter für deutsche und internationale Politik 9/2007, S. 1079-1087

Eine neue "glorreiche Revolution"

In wenigen Wochen wird der Bundestag über die Verlängerung des Einsatzes deutscher Streitkräfte in Afghanistan entscheiden. Wenn auch die Beteiligung der Bundeswehr in diesem Fall umstritten ist, so ist der Vorgang als solcher schon Routine. Mehr als 50 Mal hat der Bundestag inzwischen Auslandseinsätze der Bundeswehr beschlossen oder verlängert. Die Öffentlichkeit nimmt nur noch selten Notiz davon. Dabei ist die Mitwirkung der Volksvertretung bei militärischen Einsätzen nicht selbstverständlich. In der europäischen Verfassungstradition waren Entscheidungen über Krieg und Frieden in der Regel dem Staatsoberhaupt oder der Regierung allein vorbehalten. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die außen- und sicherheitspolitischen Fragen exekutives Privileg. (...)
Veröffentlicht: 
Kölner Stadt-Anzeiger, 16.08.2007

Wider die Militarisierung des Denkens.

Das internationale Umfeld hat sich seit 1990 rapide verändert. Zum einen sind die internationalen Beziehungen komplexer und turbulenter geworden. Zum zweiten ist weltweit das Phänomen einer zunehmend fragilen, überforderten und nicht selten zerbrechenden Staatlichkeit zu beobachten. Unsicherheiten und Konflikte entstehen nicht mehr primär aufgrund von gefährlichen Machtakkumulationen einzelner Staaten, sondern aus erodierenden und zerfallenden staatlichen Gewaltmonopolen und damit fragiler Staatlichkeit. Aus den zum Teil vordergründig symmetrischen Bedrohungen des Kalten Krieges sind asymmetrische Bedrohungen völlig neuer Art geworden. Die Widersprüchlichkeit dieser internationalen Ordnung zeigt sich in parallel zur fortschreitenden Globalisierung verlaufenden Prozessen der Dezentralisierung und Regionalisierung. Dazu gehören die Regionalisierung von Handel und Investitionen in den drei großen Wirtschaftsräumen Westeuropa, Amerika und Ost- und Südostasien sowie die zunehmende Verflechtung dieser Regionen bei gleichzeitiger weltwirtschaftlicher Marginalisierung der übrigen Teile der Welt. Konsequenz dieser gegenläufigen Tendenzen ist nicht die Integration und Konvergenz, sondern die globale Heterogenisierung der Welt, so dass man besser von "Globalisierung versus Fragmentierung" als den beiden globalen Trends sprechen kann wie sie etwa mit dem Buchtitel Benjamin Barbers "Jihad vs. McWorld" zum Ausdruck gebracht wird. (...) Der grundlegende Wandel des internationalen Systems stellt auch die Sicherheitspolitik vor neue Herausforderungen: Die neuen Risiken sind oft benannt und beschrieben worden: Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, failed states, Migration, Umweltzerstörung und Ausbreitung des organisierten Verbrechens. Daraus ergeben sich für die deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik eine ganze Reihe von Fragen: Wie gehen wir mit ethnisch und religiös motivierter Gewalt um? Wie begegnen wir den Bedrohungen des internationalen Terrorismus und der Proliferation von Massenvernichtungswaffen? Wie verhindern wir das Zerfallen von Staaten? Unter welchen Bedingungen ist der Einsatz militärischer Mittel erlaubt oder gar geboten? Und: Wie können die multilateralen Institutionen, die im vitalen deutschen Interesse sind, gestärkt werden? (...)
Veröffentlicht: 
Kurt Beck/Hubertus Heil (Hrsg.), Sozialdemokratische Außenpolitik für das 21. Jahrhundert, Baden-Baden 2007, S. 282-292.

Current Challenges in the Middle East Region: Which role can Egypt play?

Your Excellencies, Ladies and Gentlemen, Dear Colleagues, Thank you very much indeed for giving me the opportunity to speak here at the Council for Foreign Affairs. I am very happy to be back in Cairo again. I have met many friends once more. Our two countries have been united in friendship for many years. Many German holidaymakers visit your country. We have twinning arrangements between towns, cooperation between universities, societies and associations. Many German visitors have seen the exhibition ?Egypt?s sunken Treasures? in different German cities. The trade relations between our two countries are developing well. You have asked me to talk about the theme: ?Current challenges in the Middle East region: Which role can Egypt play?? It is wise for an outside politician to show restraint when offering advice. First of all he should ask himself which contribution he can make and how. Nevertheless, I would still like to address the question, in this case from two directions.
Veröffentlicht: 
Cairo, 11.06.2007

Vor dem Kollaps!

Am 26. März veröffentlichte die Weltbank ihren Bericht über die wirtschaftliche Lage in Palästina. Demnach wird sich die prekäre Finanzsituation der palästinensischen Regierung in diesem Jahr weiter verschlechtern und die Autonomiegebiete noch stärker von ausländischer Hilfe abhängig. So schrumpfte das palästinensische Bruttoinlandsprodukt 2006 zwischen fünf und zehn Prozent und liegt damit heute fast 40 Prozent unter dem Betrag vor der zweiten Intifada 1999. Die Ursachen für die desolate wirtschaftliche Situation liegen natürlich auch in der diplomatischen und finanziellen Isolation der Regierung sowie im Fehlen von Steuereinnahmen im Haushalt begründet, die von Israel zurückgehalten werden. 2006 verfügte die Autonomiebehörde demnach über gut ein Drittel weniger Finanzmittel als noch im Jahr zuvor. Dagegen hat sich die ausländische Hilfe im vergangenen Jahr mit fast 565 Millionen Euro im Vergleich zu 2005 mehr als verdoppelt. Dennoch: Ohne Erholung der Wirtschaft sowie kräftige internationale Hilfe droht das wirtschaftliche und soziale Chaos. (...)
Veröffentlicht: 
Jüdische Zeitung, Mai 2007, S. 7

Versäumnisse seit 1989 rächen sich

Ein Gespenst geht um in Europa: das Gespenst einer neuen Aufrüstungsrunde. Die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat gezeigt, dass die europäische Sicherheitsarchitektur bröckelt. Für den Ernst der Lage sprechen die Absichten der Atommächte, ihre nukleare Bewaffnung zu modernisieren, die geplante Stationierung von US-Raketenabwehrsystemen in Osteuropa und die Drohung Russlands, das Mittelstrecken-Abkommen von 1987 zu kündigen. Dabei schienen doch mit dem Ende des Ost-West-Konflikts alle Sicherheitsprobleme gelöst zu sein. Dass dies ein Trugschluss war, haben die vergangenen siebzehn Jahre gezeigt: Der 11. September, Afghanistan, Irak und die Atomkrisen um Iran und Nordkorea mögen als Stichworte genügen. Zwar diskutierten internationale Konferenzen fast gewohnheitsmäßig über die neuen Bedrohungen durch Terror, Bürgerkriege, zerfallende Staaten und neue Atomwaffenmächte. Dennoch gibt die Sicherheitsfrage Anlass zu Unsicherheiten. Ein großer Teil kann durch Kontakte, Zusammenarbeit, Verträge und internationale Institutionen abgebaut werden. Während des Kalten Krieges waren Vereinbarungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle ein Garant für Stabilität und Vertrauen. Nach dem Fall der Mauer aber wurde auf Derartiges weitgehend verzichtet. Heute rächt sich dieses Versäumnis. (...)
Veröffentlicht: 
Kölner Stadtanzeiger, 08.03.2007

Warum ich dem Tornadoeinsatz zugestimmt habe

Bereits die Vorgeschichte der Afghanistan-Mandate war innerhalb der SPD-Fraktion heftig umstritten. So konnte Gerhard Schröder nur indem er die Vertrauensfrage stellte, eine Mehrheit für das ISAF-Mandat im Bundestag erreichen. Und: Sowohl ISAF wie auch OEF sind robuste Mandate nach Kapitel VII UN-Charta. Der Tornadoeinsatz stellt in diesem Sinne keine neue Qualität dar. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich im letzten Jahr verschlechtert. Dies gilt vor allem für den Süden und den Osten des Landes. Vor allem entlang der Grenze zu Pakistan gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle. Zugleich gilt jedoch davor zu warnen, die erfolgreiche deutsche Arbeit im Norden Afghanistans gegenüber den Kämpfen im unruhigen Süden auszuspielen. Der Norden ist nicht deshalb so ruhig und stabil, weil dort die Deutschen eine zweifellos beachtenswerte Aufbau- und Stabilisierungsarbeit leisten, sondern die Bundeswehr ist in den Norden gegangen, weil dieser vergleichsweise friedlich ist. (...)
Veröffentlicht: 
erscheint in spw 2/2007, Heft 154

Mission von historischer Dimension - Die Bundeswehr im Libanon

Am 20. September 2006 fällte der Deutsche Bundestag eine seiner heikelsten außenpolitischen Entscheidungen. Das Parlament stimmte dem Antrag der Bundesregierung zu, bis zu 2.400 Soldaten in den Nahen Osten zu entsenden. Damit werden zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Truppen in der Region operieren. Die deutsche Marine soll künftig vor Libanons Küste die Schmuggelwege der Hisbollah blockieren. Im Vordergrund des deutschen Beitrages stehen somit humanitäre Hilfsleistungen und die Seesicherung. Um die Einsatzregeln wurde lange zwischen New York, Beirut und den Hauptstädten der Truppensteller gerungen. Der Auftrag wird aus der Resolution 1701 abgeleitet; für die Bundeswehr entscheidend ist die Passage: "Unterstützung der libanesischen Regierung auf deren Ersuchen bei der Sicherung der libanesischen Grenzen und Einreisepunkte mit dem Ziel, das Verbringen von Rüstungsgütern und sonstigem Wehrmaterial in den Libanon ohne Zustimmung der libanesischen Regierung zu verhindern." (...)
Veröffentlicht: 
in: spw, Heft 151, 5/2006, S. 6/7.

Fregatten schaffen noch keinen Frieden

Nach derzeitigem Stand wird die deutsche Marine vor Libanons Küste die Schmuggelwege der Hisbollah blockieren. Im Vordergrund des deutschen Beitrages stehen somit humanitäre Hilfsleistungen und die Seesicherung. Mit Bodentruppen wird die Bundeswehr sich nicht beteiligen. Mit Blick auf die deutsche Geschichte versteht sich von selbst, dass es nicht einmal im Ansatz zu einem konfrontativen Gegenüber von deutschen und israelischen Soldaten kommen darf. Damit zeigt die Bundesrepublik Präsenz in der Region und belegt, wie ernst sie die Lösung des Konfliktes nimmt. (...)
Veröffentlicht: 
in: Braunschweiger Zeitung, 12.09.2006

Geduld haben

Seit Jahren versuchen die EU 3 (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) und neuerdings die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Deutschland die iranische Nuklearkrise diplomatisch zu lösen. Die Ergebnisse sind zwiespältig. Negativ zu vermerken bleibt, dass Iran noch immer nicht zu einer umfassenden Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien bereit ist. Nach wie vor gibt es Unklarheiten über den genauen Stand des iranischen Atomprogramms. Die wüsten Drohungen des iranischen Präsidenten Machmud Ahmandinedschad gegenüber Israel und seine wiederholte Leugnung des Holocaust sind inakzeptabel und haben die Verhandlungen ebenfalls schwer belastet. Positiv zu vermerken bleibt, dass wir heute dennoch insgesamt mehr über das Programm wissen, ebenso über die unterschiedlichen Interessen der Fraktionen und Gruppen innerhalb des Regimes, das längst nicht so homogen ist, wie es scheint. Es ist zudem - bis jetzt - gelungen die USA weitgehend mit ins Boot zu holen, obwohl dort eine stringente Iranpolitik bis heute fehlt. Russland wie auch China unterstützen die diplomatischen Bemühungen, da auch sie kein Interesse an einem atomar bewaffneten Iran haben können. Auch in den Anrainerstaaten des Persischen Golfs wächst die Sorge über eine nuklear bewaffnete regionale Vormacht Iran. (...)
Veröffentlicht: 
in: Jüdische Allgemeine, 07.09.2006

Seiten