Nicht ohne Parlament
Durch Bundestag und Kabinett geistert ein Entsendegesetz, das den schnellen Einsatz der Bundeswehr garantieren soll. Ein solches Gesetz ist überflüssig und gefährlich. Am Rande der NATO-Konferenz in Colorado Springs wurden die Verteidigungsminister Anfang Oktober über den Stand der Schnellen Eingreiftruppe informiert. Mit Hilfe von Szenarien und Planspielen illustrierten die Militärs die Einsatzmöglichkeiten und Verfahren der 2002 in Prag beschlossenen Truppe. Die Einheiten der NATO Reaction Force (NRF) sollen bereits ab Oktober 2004 innerhalb von fünf Tagen an jedem Ort der Welt eingesetzt werden können. Dies erfordert einen hohen Aufwand an Logistik und Integration. Daraus ergeben sich aber auch politische Fragen, die der deutsche Verteidigungsminister mit einer Aufforderung an den Deutschen Bundestag verknüpft hat. Er stellte fest, dass der bisherige parlamentarische Ablauf einer Beteiligung deutscher Soldaten an der NATO-Eingreiftruppe entgegenstehen könnte. Bislang muss eine einfache Mehrheit aller 603 Abgeordneter einem Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Bündnisgebietes zustimmen. Dies hat das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom 12. Juli 1994 ausdrücklich bekräftigt. Peter Struck will die Entscheidungsabläufe im Parlament beschleunigen, da im Kriegs- oder Krisenfall die militärische Notwendigkeit kurzer Reaktionszeiten mit parlamentarischen Fristen kollidieren könnte. (...)
Veröffentlicht:
taz, die tageszeitung, 23.10.2003