Gefährlicher Einsatz
Die Bemühungen von Frank-Walter Steinmeier, auch von Syrien einen Beitrag für Stabilität und Frieden im Nahen Osten einzufordern, bleiben richtig. Der Außenminister hat zudem zu Recht darauf hingewiesen, dass ohne eine kooperative Bearbeitung des israelisch-palästinensischen Kernkonfliktes eine Befriedung der Region illusorisch bleibt. Das Konzept ?Land für Frieden? ist Voraussetzung für eine dauerhafte Lösung. Dies betrifft sowohl die israelische als auch die syrische Seite. Ohne eine Lösung in Bezug auf die Golanhöhen und ohne einen vollständigen Rückzug Syriens aus dem Libanon bleibt jeder Waffenstillstand Makulatur. Im Süden des Landes muss die libanesische Regierung schrittweise ihre staatlichen Hoheitsrechte wahrnehmen. Diese Maßnahmen müssen von einem innerlibanesischen Dialog begleitet werden. Kein Konfliktherd weltweit ist derzeit so brisant wie der Nahe Osten. Zudem ist der Einsatz im Südlibanon brandgefährlich. Das beweisen die 200 toten UN-Soldaten der UNIFIL-Mission, die bereits seit 1978 andauert. Keine andere UN-Truppe hat bis heute so viele Opfer zu beklagen. Nach derzeitigem Stand wird die deutsche Marine vor Libanons Küste die Schmuggelwege der Hisbollah blockieren. Im Vordergrund des deutschen Beitrages stehen somit humanitäre Hilfsleistungen und die Seesicherung. Mit Bodentruppen wird sich die Bundeswehr nicht beteiligen. Mit Blick auf die deutsche Geschichte verstehen die europäischen Nachbarn, dass es nicht einmal im Ansatz zu einem konfrontativen Gegenüber von deutschen und israelischen Soldaten sowie mit bewaffneten israelischen Siedlern kommen darf. Damit zeigt die Bundesrepublik Präsenz in der Region und belegt, wie ernst sie die Lösung des Konfliktes nimmt. Deutschland ist nicht zuletzt aufgrund seiner besonderen Beziehungen und des Vertrauens, dass es auf beiden Seiten genießt, in der Lage, unterschiedliche Positionen aufzunehmen und Botschaften zu transportieren. (...)
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in: Vorwärts 09/2006