Wider die Militarisierung des Weltraums
AG Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung Zur neuen US-Doktrin zur Nationalen Weltraumpolitik erklärt der Sprecher für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich: Bereits Ende August hat US-Präsident Georg W. Bush eine neue Doktrin zur Nationalen Weltraumpolitik unterschrieben. Das Dokument wurde der "Washington Post" zufolge jedoch erst am 7. Oktober 2006 im Internet veröffentlicht - ohne öffentliche Bekanntmachung. Dabei handelt es sich um die erste umfassende Neuorientierung der US-Weltraumpolitik seit zehn Jahren. Demnach wollen die USA künftig Nationen, die amerikanischen Interessen feindlich gegenüberstehen, den Zugang zum Weltraum verweigern und obendrein alle Rüstungsabkommen, die die amerikanische Bewegungsfreiheit im All einschränken, ablehnen. Handlungsfreiheit im All ist folglich für die Vereinigten Staaten ebenso wichtig, wie militärische Macht zu Land, zur See und in der Luft. Das Unterdrücken von ausländischen Satellitensignalen beispielsweise ist bereits seit längerem legitimer Teil amerikanischer Kriegsführung. Während in der Weltraumstrategie der Clinton-Administration von 1996 militärische und wissenschaftliche Ziele noch relativ gleichrangig formuliert wurden, legt die neue Doktrin einen klaren Schwerpunkt auf die Sicherheitsinteressen der USA. Explizit heißt es dort, dass vorhandene oder künftige Rüstungskontrollabkommen oder -begrenzungen nicht die Rechte der USA beeinträchtigen dürfen, Forschung, Entwicklung, Tests und Operationen im Weltraum in Verfolgung der nationalen Interessen nachzugehen. Bislang ist der Weltraum frei von Waffen geblieben. Die neue Weltraumdoktrin zeigt jedoch, dass in den USA offenbar die Weichen für eine verstärkte Integration des Weltraums in die Kriegsführung der US-Streitkräfte gestellt werden. Das bestehende Weltraumrecht bietet leider nur geringe Möglichkeiten, potenzielle Waffen im All völkerrechtlich zu verbieten. Die Bundesregierung sollte daher im Rahmen der internationalen Gremien weiterhin alles dafür tun, um den Status der Waffenfreiheit des Weltraums zu erhalten und im Rahmen der EU und der UNO auf eine Stärkung des Weltraumvertrages drängen, der sich im nächsten Jahr zum vierzigsten Male jährt.
Veröffentlicht:
Berlin, 23.10.2006