Russland stoppt Raketenpläne für Kaliningrad
AG Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung Zur russischen Ankündigung keine Raketen mehr in Kaliningrad stationieren zu wollen, erklärt der Sprecher für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich: Der Kreml baut die Drohkulisse ab und rückt nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax von seinen Plänen ab, Iskander-Raketen in Kaliningrad zu stationieren. Russland hatte mit der Stationierung dieser Kurzstreckenraketen in der Exklave an der Ostseeküste als Reaktion auf die Planungen für den US-Raketenschild in Osteuropa gedroht. Sollte sich diese Meldung bestätigen, wäre dies ein gutes und wichtiges Signal, welches die Hoffnung nährt, dass es in naher Zukunft auch zu substanziellen Abrüstungsschritten zwischen den beiden Supermächten des Kalten Krieges kommen kann und wird. Die neue US-Regierung sollte dies zum Anlass nehmen, ihre Pläne zur Stationierung von Abfangraketen in Polen und einer Radaranlage in Tschechien in den Gesamtkontext weiterer Abrüstungsschritte zu stellen. Die Raketenabwehrpläne sind dabei nur ein Aspekt in einem ganzen Portfolio von anstehenden rüstungskontrollpolitischen Verhandlungen. Auf der Agenda steht u.a. der Vertrag zur Reduzierung strategischer Waffen (START- I) mit seinem umfassenden Verifikationssystem, der im Dezember dieses Jahres ausläuft. Hier scheint ein Nachfolgeabkommen in greifbare Nähe gerückt, welches ein Fundament für weitergehende Abrüstungsverpflichtungen der beiden nuklearen Großmächte bilden könnte. Uneingeschränkt zu begrüßen ist auch die Ankündigung von Präsident Obama den Atomaren Teststoppvertrag (CTBT) zu ratifizieren. Die Universalisierung des INF-Vertrages, eine Null-Lösung bei den taktischen Nuklearwaffen, neue Abrüstungsinitiativen im Rahmen der NATO, die Vorschläge Frank-Walter Steinmeiers zur Internationalisierung des Brennstoffkreislaufes und ein Erfolg bei der 2010 anstehenden Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag sind weitere Themen, die dringend in Angriff genommen werden müssen. Die SPD-Bundestagsfraktion plädiert dafür, Barack Obama beim Wort zu nehmen, der mehrfach öffentlich betont hat, dass er einen grundlegenden Richtungswechsel in der Atomwaffenpolitik will. Die Vision einer atomwaffenfreien Welt muss gestärkt und schnell durch konkrete nukleare Abrüstungsschritte der USA und Russlands vorangetrieben werden. Dies ist wiederum die Voraussetzung, um der Weiterverbreitung nuklearer Waffen einen weiteren Riegel vorzuschieben.
Veröffentlicht:
Berlin, 28.01.2009