Abrüstungsgipfel in Moskau ist wichtiges Signal
AG Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung Zur gestrigen Einigung zwischen den USA und Russland auf ein START-I-Nachfolgeabkommen erklärt der Sprecher für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich: Ganz oben auf der Tagesordnung des ersten amerikanisch-russischen Gipfeltreffens seit sieben Jahren steht das Thema Abrüstung. Präsident Obama und Präsident Medwedew einigten sich gestern in Moskau auf einen Fahrplan für einen neuen Abrüstungsvertrag. Dies sind wichtige und überfällige Schritte. Es ist allerdings bedauerlich, dass die beiden Präsidenten sich nicht auf substanziellere Reduzierungen ? wie die von Obama offenbar vorgeschlagenen 1.000 Atomsprengköpfe ? einigen konnten. Der amerikanische Präsident kündigte zudem eine Überprüfung der amerikanischen Raketenabwehrpläne in Polen und Tschechien bis Ende des Sommers an und wiederholte das Angebot, mit Russland gemeinsam ein Raketenschutzschild aufzubauen. Eine kooperative Lösung des Raketenstreits liegt im ureigensten europäischen Interesse. Um das Problem der Raketenabwehr einzugrenzen, sollten deshalb beide Seiten möglichst bald eine vertragliche Regelung ? analog dem ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile) ? anstreben. Auch der Vorschlag des US-Präsidenten im nächsten Jahr in den USA ein Gipfeltreffen über atomare Sicherheit und Rüstungskontrolle in der Welt auszurichten, ist uneingeschränkt zu begrüßen. Allein die Tatsache, dass die beiden Präsidenten Abrüstung und Rüstungskontrolle endlich wieder auf die Tagesordnung setzen, ist ein wichtiges Signal und der Beginn der Reparatur der amerikanisch-russischen Beziehungen. Konkret vereinbarten die beiden Staatschefs reduzierte Obergrenzen ihrer strategischen Angriffswaffen. Demnach darf jede Seite künftig noch 500 bis 1.100 Trägersysteme (Raketen, Bomber und U-Boote) besitzen. Die Zahl der atomaren Sprengköpfe wurde von bisher 1.700 bis 2.200 auf 1.500 bis 1.675 begrenzt. Dies zeigt auch, dass es richtig war, dass sich Außenminister Frank-Walter-Steinmeier ? zusammen mit anderen europäischen Kollegen ? von Beginn an unermüdlich darum bemüht hat, Abrüstung und Rüstungskontrolle auf die internationale Tagesordnung zu setzen. Vor der anstehenden Überprüfungskonferenz 2010 gilt es die drei Pfeiler des Atomwaffensperrvertrages ? Nichtverbreitung, nukleare Abrüstung und friedliche Nutzung der Kernenergie ? zu stärken und weiterzuentwickeln. Ziel der SPD-Bundestagsfraktion bleibt es, die Nichtverbreitung von Waffen und Massenvernichtungsmitteln zu sichern sowie das internationale System der Rüstungskontrolle auszubauen und effizient zu gestalten. Die Beschlüsse für einen Abrüstungsvertrag sind gefasst. Nun müssen sie mit Leben gefüllt werden. Ziel des START-Nachfolgevertrages muss es sein, die Bedeutung der Atomwaffen in den Rüstungen drastisch zu senken, zu überprüfbaren Abrüstungsschritten zu kommen und perspektivisch ganz auf derartige Systeme zu verzichten.
Veröffentlicht:
Berlin, 07.07.2009