Publikationen

Ich hab' geträumt....

Ich hatte einen Albtraum, der beinahe wahr geworden wäre. Mir träumte, dass die Welt vier weitere Jahre von einem Narzissten, Lügner und Soziopathen in Geiselhaft genommen würde. Von einem Mann, der sich bis heute weigert, seine Niederlage einzugestehen und selbst vor einem Staatsstreich in der ältesten Demokratie der Welt nicht zurückschreckt.(...)
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Kölner Stadt-Anzeiger, 01.12.2020

Was wir von Joe Biden für Deutschland und die EU erwarten können

Nach vier Jahren voller Hass, Rassismus, Lügen und irren Twitter-Kaskaden ist ein Ende des Spuks in den USA in Sicht. Was ein Präsident Joe Biden für den Kampf gegen Covid-19, den Klimawandel und die internationalen Beziehungen bedeutet. Der größte Unterschied zwischen dem neuen Präsidenten und seinem erratischen Vorgänger dürfte in der Außen- und Sicherheitspolitik darin liegen, dass Biden nicht in Deals und Kategorien wie gewinnen oder verlieren denkt, sondern Interesse an der Aufrechterhaltung der regelbasierten internationalen Ordnung haben wird. Für Deutschland und Europa ist das eine gute Nachricht, allerdings lohnt ein genauerer Blick auf seine Agenda und was sich daraus ergeben könnte.(...)
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Vorwaerts.de, 23.11.2020

Das Ende des amerikanischen (Alb-)Traums?

Auch wenn man Donald Trump zu Gute halten kann, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern „nur“ Handelskriege geführt hat, ist seine außenpolitische Gesamtbilanz desaströs: Diktatoren wurden hofiert und Verbündete brüskiert. Er trat aus dem Pariser Klimaabkommen und – auf dem Höhepunkt der Pandemie – aus der Weltgesundheitsorganisation aus. Hinzu kommen die Infragestellung der NATO und das Aufkündigen nahezu sämtlicher Rüstungskontroll- und Abrüstungsabkommen, vom iranischen Atomabkommen über den INF-Vertrag bis hin zum Opens-Skies -Vertrag. Die liberale Weltordnung und das multilaterale System auf Basis der Vereinten Nationen wurden ausgerechnet vom Präsidenten derjenigen Nation angegriffen und in Frage gestellt, die sie – durchaus auch aus eigenem Interesse – geschaffen hat. (...)
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IPG-Journal.de, 17.11.2020

Eine neue Abrüstungspolitik ist notwendig

In den kommenden Jahren steht auch die Entscheidung über die Nachfolge der Tornados als atomwaffenfähiges Trägersystem an. Es stellt sich daher grundsätzlich die Frage, ob nach 60 Jahren weiter am Konzept der Nuklearen Abschreckung und Teilhabe festgehalten werden kann. Denn die Nukleare Teilhabe wird in ihrer bisherigen Form der neuen nuklearen Ordnung längst nicht mehr gerecht. Die heutige Lage ist weit komplexer, unübersichtlicher und gefährlicher, als es das Gegenüber von NATO und Warschauer Pakt über Jahrzehnte war. Neben den fünf offiziellen Atommächten (USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich) verfügen bereits heute Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel über Atomwaffen. Gleichzeitig führt die generelle Modernisierung von Waffensystemen wie Mini Nukes, Cyberwar, Überschallwaffen und der damit verbundenen Verknüpfung von konventionellen und nuklearen Einsatzszenarien zu vollständig neuen Bedrohungslagen. (...)
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In: VBKI Spiegel, Nr. 260, 3/2020, S.47/48

Die Mär vom „deutschen Drückeberger“: Ein Einwurf wider die „Bellizisten“ in Publizistik, Politik und Wissenschaft

Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik hat bei der Mehrheit der Mitglieder der sicherheitspolitischen Community und bei vielen Leitartiklern der Hauptstadtpresse derzeit keinen guten Ruf. In der Diagnose sind sie sich einig: Deutschland „verzwerge“ sich ohne Not selbst, wäre gerne eine „Art große Schweiz“ und weigere sich, außen- und sicherheitspolitische Führung zu übernehmen. Die Bundesregierung gebe zwar „kluge“ Kommentare vom Seitenrand ab, drücke sich ansonsten aber vor ihrer „weltpolitischen Verantwortung“. Lediglich der Grad an Heftigkeit der Vorwürfe und die Adressaten unterscheiden sich. Da ist, speziell an die Adresse von Linkspartei und SPD gerichtet, die Rede von „Drückebergerei“ und vom sicherheitspolitischen „Trittbrettfahrer“, der sich von den Partnern im Bündnis die Kastanien aus dem Feuer holen lässt und hinterher alles besser weiß. Darüber hinaus werden neutralistische oder – aus dieser Perspektive noch schlimmer – pazifistische Sonderwege und mangelnde Führungsbereitschaft und Bündnistreue diagnostiziert. (...)
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In: Barbara Lippert/Günter Maihold (Hrsg.), Krisenlandschaften und die Ordnung der Welt, SWP-Studie, Berlin, September 2020, S. 47-50.

Nukleare Teilhabe – ein überholtes Konzept

Eine offene Debatte über die Rolle der Nuklearwaffen, die Nuklearstrategie der NATO und der in Deutschland und Europa stationierten amerikanischen Atomwaffen ist längst überfällig. Und dies nicht nur, weil in Berlin bis 2025 die Entscheidung über ein Nachfolgeflugzeug des potentiellen Trägersystems Tornados ansteht. Wir agieren und diskutieren immer noch in den veralteten und überkommenen Abschreckungskategorien des Kalten Krieges. Dabei sind wir mit einer neuen nuklearen Ordnung konfrontiert, die weit komplexer, unübersichtlicher und vor allem gefährlicher ist, als das relativ stabile „Gleichgewicht des Schrecken“, welches im Übrigen bei weitem nicht so sicher war, wie es im Nachhinein vielen scheinen mag. Man stelle sich nur kurz einmal vor, während der Kuba-Krise 1962 wären Donald Trump und Wladimir Putin die verantwortlichen Akteure auf beiden Seiten gewesen! Wir sehen uns heute zunehmend mit neuen nuklearen Akteuren (Nordkorea, Indien, Pakistan, Israel) und der Gefahr der Proliferation (Iran, Türkei) konfrontiert. Hinzu kommen die technologische Modernisierung ( Mini Nukes , Cyberwar , Drohnen, Überschallwaffen etc.) und eine Vermischung von konventionellen und nuklearen Abschreckungssystemen. Eine immer unübersichtlichere Gemengelage, die äußerst gefährlich ist. (...)
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In: WeltTrends, September 2020, S. 68-70.

Wir brauchen eine offene und ehrliche Debatte

Für meine Forderung nach einer offenen und ehrlichen Debatte über die Zukunft der nuklearen Teilhabe, habe ich viel Zuspruch erhalten - erwartungsgemäß aber auch Kritik. Dabei ist die Forderung nicht neu: Schon 2009 wurde formuliert, dass im Zusammenhang mit abrüstungspolitischen Initiativen und der Ausarbeitung eines strategischen NATO-Konzepts, „ wir uns im Bündnis sowie gegenüber den amerikanischen Verbündeten dafür einsetzen (werden), dass die in Deutschland verbliebenen Atomwaffen abgezogen werden. “ Damals gab es keine öffentliche Aufregung über die Vereinbarung, die im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP niedergelegt wurde. Und erst recht gab es keine Debatte, ob mit dieser Festlegung die Bündnistreue der schwarz-gelben Koalition noch gegeben sei. (...)
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In: Die Bundeswehr, Juni 2020, S.11

Die neue Normalität - auch für unsere Demokratie

In der Coronakrise war zunächst schnelles Handeln der Regierung wichtig. Jetzt wird das Parlament deren Entscheidungen überprüfen, debattieren und falls nötig korrigieren - denn hier schlägt das Herz unserer Demokratie. Unser Land befindet sich seit Wochen im Ausnahmezustand, auch wenn wir in den vergangenen Tagen unserem gewohnten Leben wieder ein Stück nähergekommen sind. Die Sehnsucht nach Normalität ist überall greifbar. Doch: Was ist normal, heute und morgen? Das zu beantworten, ist vor allem die Aufgabe des Parlaments. In den nächsten Wochen werden entscheidende Weichen für unsere Zukunft gestellt: Bundeshaushalt, nachhaltige Wachstumsimpulse in Deutschland, sozialer und wirtschaftlicher Neustart in Europa - am Deutschen Bundestag führt hier kein Weg vorbei. (...)
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Spiegel.de, 28.05.2020

Germany and nuclear sharing

In an interview, I expressed my opposition to extending technical nuclear sharing and replacing the US tactical nuclear weapons stationed in Büchel with new atomic warheads. As expected, I was criticised for this, but also received a lot of support. What I would like is an open and honest debate about the rationale for nuclear sharing, not least because it is time to decide on a new delivery system – and in light of the fact that the US is toying with the idea of using low-yield nuclear weapons at an early stage in a war. Such a debate should be a matter of course in a democracy; and in the interest of our allies and partners in NATO in particular. The German Social Democratic Party (SPD) remains committed to a strong transatlantic alliance and is also still in favour of political participation in the Nuclear Planning Group – along with 25 other non-nuclear NATO countries, some of which have ruled out the stationing of nuclear weapons on their territory during peace time. We are aware of the fact that the German armed forces ( Bundeswehr ) are in need of a replacement for the ageing Tornado combat aircraft. We are not calling for the immediate denuclearisation of NATO. Instead, we are, above all, calling for new initiatives and discussions on disarmament and arms control, such as those that German Foreign Minister Heiko Maas has already set in motion with great commitment in the context of the United Nations and with the Stockholm Initiative. (...)
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IPG-Journal.eu, 15.05.2020

Deutschland und die nukleare Teilhabe

In einem Interview habe ich mich dafür ausgesprochen, die technische nukleare Teilhabe nicht weiter zu verlängern und die in Büchel lagernden taktischen US-Nuklearwaffen nicht durch neue atomare Sprengköpfe zu ersetzen. Es gab erwartungsgemäß Kritik, aber auch viel Zuspruch. Mir geht es um eine offene und ehrliche Debatte über die Sinnhaftigkeit der nuklearen Teilhabe – zumal die Entscheidung über ein neues Trägersystem ansteht und angesichts der Gedankenspiele der USA, in einem Krieg frühzeitig Atomwaffen mit geringer Sprengkraft einzusetzen. Dies sollte in einer Demokratie eine pure Selbstverständlichkeit sein – gerade auch im Interesse unserer Verbündeten und Partner in der NATO. Die SPD bekennt sich weiterhin zur Verankerung im transatlantischen Bündnis und sie ist auch weiterhin für die politische Teilhabe im Rahmen der Nuklearen Planungsgruppe – zusammen mit 25 weiteren nicht-nuklearen NATO-Ländern, die teilweise die Stationierung von Atomwaffen in Friedenszeiten auf ihrem Territorium ausgeschlossen haben. Uns ist bewusst, dass die Bundeswehr ein Nachfolgekampfflugzeug für die altersschwachen Tornados braucht. Wir fordern nicht die sofortige Denuklearisierung der NATO. Wir fordern vielmehr vor allem neue Initiativen und Gespräche zur Abrüstung und Rüstungskontrolle, wie sie von Außenminister Heiko Maas mit großem Engagement im Rahmen der Vereinten Nationen und mit der „Stockholm-Initiative“ bereits auf den Weg gebracht wurden. (...)
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IPG-Journal.de, 07.05.2020

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