Walter-Borjans geht nach Berlin – Reaktion der Kölner SPD

Die Kölner SPD-Chefin Christiane Jäger war eine der ersten, die dem angehenden Bundesvorsitzenden Norbert Walter-Borjans am frühen Samstagabend gratulierte. Sie habe „unserem Mann in Berlin sofort nach Bekanntgabe des Ergebnisses die allerbesten Glückwünsche per SMS übermittelt“, sagte Jäger dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Walter-Borjans an der Spitze der Partei, Rolf Mützenich an der Spitze der Fraktion im Bundestag: „Dass zwei Schlüsselpositionen unserer Partei mit Persönlichkeiten aus Köln besetzt sind, hat es noch nie gegeben“, so Jäger.

Ähnlich sieht es der Vorsitzende der SPD im Stadtrat, Christian Joisten: „Es kann nicht zum Schaden Kölns sein, dass die höchsten Positionen in den beiden Machtzentren mit Kölner besetzt sind.“ Der ehemalige NRW-Finanzminister Walter-Borjans, der von 2006 bis 2010 erst städtischer Wirtschaftsdezernent und dann zusätzlich Kämmerer war, verfüge ebenso über landespolitische wie über kommunalpolitische Erfahrung. „Er wird immer auch die Interessen der Städte ins Blickfeld rücken“, sagte Joisten.

Keine OB-Kandidatur von Walter-Borjans in Köln

So groß die Freude der örtlichen Sozialdemokraten über den innerparteilichen Erfolg eines der ihren sein mag: Aufgrund des Ausgangs des bundesweiten Mitgliederentscheids gilt als gewiss, dass Walter-Borjans für eine Oberbürgermeister-Kandidatur in seiner Heimatstadt nicht mehr in Frage kommen wird.

„Er wäre natürlich eine sehr gute Option für den Posten gewesen“, sagte Jäger, die seinerzeit als Referentin im Wirtschaftsdezernat eng mit dem künftigen SPD-Chef zusammenarbeitete. Sie habe mit Walter-Borjans mehrfach über eine mögliche Kandidatur bei der OB-Wahl im kommenden Jahr gesprochen. Am Rande des bevorstehenden Bundesparteitags in Berlin werde sie mit ihm „ein letztes Gespräch in der Angelegenheit führen“.

Im SPD-Vorstand galt Walter-Borjans so manchem als Wunschkandidat für das höchste Amt im Rathaus. Er sei jemand, der durchaus Chancen habe gegen die von der CDU und den Grünen unterstützte Amtsinhaberin Henriette Reker, hieß es. Während der sich über Monate hinziehenden Entscheidung über die Nachfolge der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles war die Suche nach einem Kandidaten für die OB-Wahl nicht so richtig in Schwung gekommen. Das dürfte sich schon bald ändern.

Innerhalb der SPD wird in diesem Zusammenhang unter anderem der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach genannt. Der Gesundheitsexperte, der ein Direktmandat in Wahlkreis Mülheim/Leverkusen zog, ist über die Parteigrenzen hinaus bekannt. Lauterbach selber wollte sich zu einer möglichen Kandidatur bei der OB-Wahl am Sonntag nicht äußern.

Viel Raum für Spekulationen um OB-Kandidatur in Köln

„Wir reden mit vielen“, sagte Jäger. Das lässt Raum für Spekulationen. Es wäre in der momentanen Lage ohnehin unklug von der Parteispitze, den Kreis möglicher Bewerber als klein darzustellen. Je weniger Namen fallen, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kandidatin oder ein Kandidat allzu zeitig bekannt wird – und sich mögliche interne Gegner darauf einstellen können. Deshalb widersprechen weder Jäger noch Joisten, wenn sie selber mit einer OB-Kandidatur in Zusammenhang gebracht werden.

In Frage kämen zudem Landtagsabgeordnete wie Ex-Parteichef Jochen Ott, ebenso Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und der Rodenkirchener Bezirksbürgermeister Mike Homann, der als einziger bereits öffentlich über seine Ambitionen gesprochen hat. Spätestens Ende Januar 2020 will sich der SPD-Vorstand auf einen Personalvorschlag verständigen. Mitte Februar wird ein Parteitag dann über die OB-Kandidatur entscheiden.

Autor: 
Von Andreas Damm
Veröffentlicht: 
Kölner Stadt-Anzeiger, 02.12.2019
Thema: 
Statt OB-Kandidatur in Köln