„Die SPD wieder stark machen“

Als Martin Schulz (63) im März 2017 als Kanzlerkandidat zum Parteitag der Kölner SPD ins Bürgerzentrum Chorweiler kam, war die Euphorie der Genossen geradezu mit Händen greifbar. Zwei Jahre und eine verlorene Bundestagswahl später wird Schulz am heutigen Samstag erneut beim Parteitag in Köln erwartet – diesmal dürfte der Applaus der 301 Delegierten etwas verhaltener ausfallen.

Auch der seit Juni 2018 amtierende Vorsitzende der NRW-SPD, Sebastian Hartmann (41), macht seine Aufwartung. Immerhin ist Köln mit rund 6000 Mitgliedern der zweitgrößte SPD-Unterbezirk in Deutschland nach Dortmund und könnte die Westfalen demnächst überholen. „Die haben 30 Mitglieder mehr als wir“, sagt Kölns scheidender SPD-Chef Jochen Ott (44), der nach 18 Jahren nicht mehr antritt.

Köln mit stärkerer Rolle

Dass der SPD-Unterbezirk Köln inhaltlich künftig wieder eine stärkere Rolle auf Bundesebene spielen soll – diesem Ziel sieht sich die designierte Parteichefin Christiane Jäger (55) verpflichtet. Als erste Frau überhaupt soll sie am Samstag die Führung der Kölner SPD übernehmen, der alte Vorstand hat sie und weitere 20 Vorstandsmitglieder einstimmig nominiert.

Jäger gibt sich kämpferisch: „Wir sind die stärkste Partei in dieser Stadt, wir haben einen Anspruch für diese Stadt. Ich habe aber auch den Anspruch, mit der Kölner SPD eine Rolle in dieser Republik zu spielen. Wir wollen die SPD wieder stark machen.“

Die Mutter zweier erwachsener Töchter stammt aus Gelsenkirchen, wuchs im Sauerland auf, wohnt seit 1983 in Köln. Seit 1991 arbeitet sie für die Stadtverwaltung, unter Jürgen Roters (SPD) war sie im OB-Büro tätig, jetzt ist sie Abteilungsleiterin im Amt für Stadtentwicklung. Mitglied der SPD wurde sie erst 2012, in den geschäftsführenden Vorstand rückte Jäger vor zwei Jahren als Schriftführerin auf.

Sie sei der Beleg, dass man in der SPD „nicht zehn Jahre lang Plakate kleben müsse“, um etwas zu werden, sagt Ott. Im Kommunalwahlkampf 2020 werde man Bildung und Wohnen zu Schwerpunktthemen machen, betont Jäger. Auch der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung sei ein wichtiges Thema für die SPD. „Die SPD kommt aus der Arbeiterschaft, das ist unsere Wurzel.“ Der Parteitag befasst sich heute damit – und mit 84 weiteren Anträgen.

Kontinuität und Wandel

Der neue Vorstand werde für Kontinuität und Wandel stehen, betont Jäger. „Wir fangen jetzt nicht alles neu an, die Steuerarbeitsgruppe zum Beispiel hat seit 2017 intensiv gearbeitet und einen richtig guten Antrag vorgelegt.“ Gleichwohl müsse man in der Zusammenarbeit einiges verändern, weil es im Vorstand einen starken Wechsel von hauptamtlichen zu ehrenamtlichen Kräften gebe. Zwölf der 21 designierten Mitglieder sind jünger als 35 Jahre, viele davon berufstätig – Berufspolitiker sind nur noch wenige dabei.

Nach dem Rückzug von Jochen Ott und den stellvertretenden Parteivorsitzenden Gabriele Hammelrath (66, MdL) und Rolf Mützenich (59, MdB) wird Susana dos Santos Herrmann (50, MdL) die erfahrenste Kraft im geschäftsführenden Vorstand sein. Außer ihr bleibt nur noch Schatzmeister Sebastian Bucher (34) im Amt. Mit den neuen Stellvertretern Katharina Letzelter (25) und Fabian Stangier (31) sowie Schriftführerin Sarah van Dawen-Agreiter (31) rücken drei junge Nachwuchskräfte in die SPD-Spitze auf.

Autor: 
Von Michael Fuchs 
Veröffentlicht: 
Kölnische Rundschau, 16.03.2019
Thema: 
Christiane Jäger soll den Unterbezirk Köln führen