Kölner Journalist Adil Demirci doch nicht frei

Der Kölner Sozialwissenschaftler Adil Demirci, der am 13. April 2018 in Istanbul festgenommen wurde, sitzt weiterhin in Haft. Das sagte der Anwalt Demircis dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Donnerstagmittag. 

Aus einer Information der türkischen Botschaft in Berlin an den Kölner Bundestagsabgeordneten Rolf Mützenich (SPD) am Donnerstagmorgen war hervorgegangen, dass Demirci auf freiem Fuß sei. Die Meldung sei unmissverständlich gewesen, sagte Mützenich. „Es tut mir vor allem für die Familie leid, dass es jetzt Verwirrung gibt und falsche Hoffnungen geweckt wurden." Mützenich bemüht sich seit Wochen intensiv um die Freilassung Demircis. Er versuche nun, mit der Botschaft zu klären, wie es zu dem Missverständnis gekommen sei. 

Vorwurf der Terrorpropaganda

Adil Demirci hatte seine schwer erkrankte Mutter im April vergangenen Jahres nach Istanbul begleitet. In der Wohnung seines Onkels war er von einem „Anti-Terror-Kommando“ festgenommen worden. Wie vielen anderen Regimekritikern warf die Justiz Demirci Terrorpropaganda vor. Er soll an mehreren Beerdigungen der in der Türkei verbotenen linksextremistischen Partei MLKP teilgenommen haben. Die Opfer hatten für die in der Türkei ebenfalls verbotenen Kurdenmiliz YPG angeschlossen und in Syrien gegen den „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft.

 Der Prozess gegen Demirci und weitere Beschuldigte wird am Donnerstag, 14. Februar, fortgesetzt. Eine Kölner Delegation um Publizist Günter Wallraff und Stadtrat Jörg Detjen (Die Linke) hat angekündigt, den Prozess wie schon im vergangenen November vor Ort zu beobachten. Demircis Anwalt sagt, er sei „guter Dinge“, dass sein Mandant danach freigelassen werden könnte. „Juristisch gibt es für seine Inhaftierung keine Grundlage.“

Autor: 
Von Uli Kreikebaum
Veröffentlicht: 
Kölner Stadt-Anzeiger online, 07.02.2019
Thema: 
Verwirrung um Haft in der Türkei