Sitemap einblenden
Dr. Rokf Mützenich MdB

Geheimakte Atombomben – Bundeswehrpiloten trainieren den Nuklear-Einsatz

Beitrag von Chris Humbs und Kay Walter
Obwohl sich die Bundesrepublik für die weltweite atomare Abrüstungeinsetzt, lagern Nuklearbomben in Deutschland. Die Waffen, die den USAgehören, sollten einst gegen russische Panzerarmeen zum Einsatz kommen.Zwar ist der Kalte Krieg längst vorbei, doch die CDU will weiterhinnicht auf die Atombomben verzichten. Bundeswehrpiloten trainierenregelmäßig ihren Abwurf. Inoffiziell – denn offiziell ist die Existenzder nuklearen Waffen Geheimsache und Chris Humbs und Kay Walter durfteneigentlich nichts erfahren.

Während die SPD lautstark darübernachdenkt, die Wehrpflicht abzuschaffen, fühlt sich die CDU sicherer,wenn Deutschland bis an die Zähne bewaffnet ist. Mit Atombomben. Denn,was kaum jemand weiß: In Deutschland lagern immer noch 20 Atombomben.Sie haben ein Vielfaches von der Zerstörungskraft der Bomben, die überHiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Gelagert werden sie in derEifel. Bewacht von deutschen Soldaten, und die üben auch fleißig fürden Ernstfall. Befehl ist Befehl. Und das nur, weil die CDU an atomarerGroßmannssucht leidet. Chris Humbs und Kay Walter berichten.

Der Fliegerhorst Büchel in der Südeifel. Es ist ein Montagmorgen, kurz vor 8 Uhr …

Vor gut drei Wochen demonstrierte hier eine kleine Gruppe gegen dieVerbreitung von Atomwaffen. Der Ort ist bewusst gewählt. Denn in Büchelliegen wohl die letzten Atombomben auf deutschem Boden.

Genaues ist nicht bekannt: aus der Existenz der Waffen wird ein großesGeheimnis gemacht. Aber: die kleine Gruppe der Demonstranten hat eineklare Forderung:

Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
„Es wird Zeit, dass diese Bomben, diese menschenverachtenden Waffensysteme endlich demontiert werden.“

Büchel ist ein kleines Dorf mit exakt 1249 Einwohnern und etwa 20Atombomben. Im Falle eines Falles würden hier die Bomben unterBundeswehr-Tornados montiert. Sie würden von deutschen Soldaten mitdiesen Jets transportiert undabgeworfen. Dafür trainieren die Piloten.

Aber neben Militärs und einigen wenigen Demonstranten weiß kaum Jemandvon den nuklearen Waffen. Nicht einmal die Abgeordneten im DeutschenBundestag.

Guido Westerwelle (FDP), Fraktionsvorsitzender
„Wir wissen nichts Genaueres. Wir müssen uns genauso an denSpekulationen orientieren, die aber genauso erhärtet sind, dass mandavon ausgehen kann, dass es sich dabei um Fakten handelt.“

Details zu den Atomwaffen kommen aus den USA. Militärakten legen nahe:Jede Bombe in Büchel hat die 10fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe.Sie gehören den USA. Der amerikanische Präsident muss ihren Einsatzfreigeben.

Dann würde die NATO den Einsatz befehlen und die deutschen Tornados ausBüchel losschicken. Joseph Cirincione gehört zu einem einflussreichenBeraterstab. Er ist Experte für Atomwaffen. Für ihn sind dieverbliebenen Bomben ein Relikt des Kalten Krieges:

Joseph Cirincione, Center for American Progress
„Sie sind da, weil es keine Anstrengungen gab sie herauszuschaffen. Eshat doch niemand ernsthaft versucht, sie los zu werden. Und so bleibensie eben da, wo sie sind.“

KONTRASTE
„Und was wäre, wenn Deutschland Sie weghaben wollte?“

Joseph Cirincione, Center for American Progress
„Sie wären weg. Wenn Deutschland sie nicht wollte, wären sie weg.“

In den USA gibt es kein ernsthaftes Interesse, die Bomben inDeutschland zu belassen. Denn eine nukleare Auseinandersetzung mitRussland ist keine reale Option mehr.

Joseph Cirincione, Center for American Progress
„Bei allem, was ich höre, ist klar: Das Militär drängt nicht darauf,dass diese Waffen dort bleiben. Das ist eine politische Entscheidung.“

Vor allem die Bundesregierung will diese Bomben in Deutschlandbehalten. Das Kanzleramt begründet uns das schriftlich. Es geheschließlich um:
Zitat
„… Kriegsverhinderung und die glaubwürdige Demonstration vonBündnissolidarität und fairer Lastenteilung erfordert es, dassDeutschland … einen seiner Rolle im Bündnis … entsprechenden Beitragleistet.“

Das wäre nachvollziehbar, wenn denn die Bomben gegen einen Feindeinsetzbar wären, eine abschreckende Wirkung hätten. Die haben sie abernicht. Die Tornados kommen - beladen mit Atom-Bomben und im sicherenTiefflug - nur wenige hundert Kilometer weit. Während des KaltenKrieges sollte das reichen, um die anrückende Rote Armee zu stoppen.Heute sind diese Waffen sinnlos.

Guido Westerwelle (FDP), Fraktionsvorsitzender
„Ich habe mehrfach an die Bundesregierung appelliert, auch in ihreninternen Gesprächen mit den amerikanischen Verbündeten darauf zudrängen, dass diese Relikte aus dem Kalten Krieg endlich ausDeutschland abgezogen werden. Das sind ja Atombomben, die imZweifelsfall Mitteldeutschland treffen könnten oder unsereunmittelbaren Nachbarn.“

Egal. Die Bundesregierung beharrt auf der weiteren Stationierung. Wassteckt hinter dieser politischen Entscheidung? Die Bundesregierung willuns dazu nichts sagen.

Politiker erhoffen sich durch die Stationierung - so Hohe Militärshinter vorgehaltener Hand - ein weit reichendes Mitspracherecht bei derNATO, wenn es um Atombomben geht. In der Nato-Sprache nennt sich diesesMitspracherecht „nukleare Teilhabe“.

Der CDU-Außenpolitiker Eckardt von Klaeden will an der„nukleareTeilhabe“ strikt festhalten. Für ihn kommt der Abzug der Atombombennicht in Frage.

Eckardt von Klaeden (CDU), außenpolitischer Sprecher
„Das Prinzip der nuklearen Teilhabe macht ja nur dann Sinn, wenn essich um Nuklearwaffen handelt, die in Deutschland stationiert sind.“

Rolf Mützenich, abrüstungspolitischer Sprecher der SPD, sieht das ganzanders. Er ist für den Abzug der Bomben und für eine Richtigstellung:

Rolf Mützenich (SPD), abrüstungspolitischer Sprecher
„Die nukleare Teilhabe ist nicht damit begründet, dass wir die Atomwaffen hier in Deutschland lagern.“

Und das ist Fakt. Seit 1999 gilt in der NATO: alle Mitgliederdiskutieren alles, auch die Nuklearpolitik. Egal ob Atomwaffen auf demeigenen Territorium stationiert sind oder nicht.

Das weiß auch Jürgen Rose, Oberstleutnant der Luftwaffe. Er ist vomVerband kritischer Soldaten und beschäftigt sich seit Jahren mit denBomben. In Uniform darf er kein Interview geben: Aber im T-Shirt wirder deutlich:

Jürgen Rose, Oberstleutnant, Darmstädter Signal
„Es ist im Prinzip das Ressentiment des nuklearen Habenichts, das dazuführt, dass man hier verzweifelt an dieser Lagerung dieser Atomwaffenfesthält.“

Andere Länder haben daraus die Konsequenz gezogen. Griechenland, zumBeispiel. Auch hier waren Atom-Bomben der NATO stationiert. DieGriechen haben deren Abzug gefordert und problemlos durchgesetzt.

Fotis Kouvelis, ehemaliges Kabinettsmitglied griechische Regierung
„Das war eine Entscheidung, die im Konsens mit allen Parteien getroffenwurde. Auch unsere Bürger wurden einbezogen. Die Mehrheit der Griechenwar gegen die Stationierung von Atomwaffen.“

Es gab und gibt keine Probleme. Sollte das Nato-Mitglied Griechenlandangegriffen werden, gilt der Bündnisfall. Und damit die Drohung derNato Atomwaffen einzusetzen – egal, wo sie stationiert sind.

Für Deutschland gilt das gleiche – das Festhalten an der Stationierungin Büchel macht keinen Sinn - weder militärisch, noch politisch ...

Joseph Cirincione, Center for American Progress
„20 Bomben, das heißt 20 Atomwaffen in Deutschland. Das ist mehr alsNordkorea oder der Iran hat. Ein beträchtliches nukleares Arsenal.
Sie müssen sich nun dieser Frage stellen - politisch und militärisch. Es ist Zeit für diese Waffen nach Hause zu gehen.“

Die Atombomben sollen nach Hause zurückkehren, nach Amerika. DieserMeinung ist auch eine deutliche Mehrheit im deutschen Bundestag - überalle Parteien-Grenzen hinweg. Bis auf die CDU. Da sollte sich dochdiese Mehrheit einfach noch stärker formieren und aktiv werden, um dieWaffen endlich aus Deutschland zu entfernen.

Kontraste, Beitrag vom 30.08.2007
hoch
hoch
Wahlkreis
Karte Wahlkreis 96 Köln III
Seit Oktober 2002 bin ich für den Wahlkreis 96 Köln III im Deutschen Bundestag tätig. Mein Wahlkreis umfaßt die Stadtbezirke Chorweiler (1), Nippes (2) und Ehrenfeld (3).
Fotos
Besucher aus dem Wahlkreis
Rolf Mützenich mit Kölner Besuchern auf einer Informationsfahrt für politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger.
weiter zur Fotogalerie
Wahlergebnisse
Karte Wahlkreis 96 Köln III
Die Ergebnisse der Bundestagswahlen 2009, 2005 und 2002 für den Wahlkreis 96 Köln III finden Sie hier.
 
© Copyright 1997-2013 Dr. Rolf Mützenich MdB: All rights reserved | Impressum