In Türkei inhaftierter Kölner Demirci ist noch nicht frei

Der seit April vergangenen Jahres in der Türkei inhaftierte Kölner Adil Demirci ist entgegen erster Informationen noch nicht frei. Über die vermeintliche Freilassung hatten seine Unterstützer am Donnerstagvormittag (07.02.2019) in Köln informiert. Dabei hatten sie sich offenbar auf Informationen aus türkischen Botschaftskreisen in Berlin verlassen, die sich im Laufe des Tages als falsch herausstellten.

Nächsten Donnerstag wird Demirci in Istanbul weiter der Prozess gemacht.

Der Bruder des Inhaftierten, Tamer Demirci, reagierte besorgt auf die verwirrenden Meldungen. Er berichtete dem WDR, dass der Onkel gerade heute den Kölner Sozialarbeiter und Journalisten in türkischer Haft besuche. Von Freilassung könne da wohl keine Rede sein.

Beobachter rätseln über die Hintergründe der Falschinformation. Immerhin hatte sie zuerst den SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Mützenich erreicht, der sie in den Unterstützerkreis Demircis weiterleitete.

So bleibt es aller Wahrscheinlichkeit auch bei dem nächsten Gerichtstermin gegen Adil Demirci am Donnerstag nächste Woche. Den werden nach jetzigem Stand seine Unterstützer darunter der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff wahrnehmen und erneut nach Istanbul reisen.

Unklar, ob Verwirrung um Demirci Einfluss auf Prozessausgang haben wird

Er sitzt wegen angeblicher terroristischer Unterstützung in Haft. Der Sozialarbeiter hatte angeblich an drei Beerdigungen von türkischen Kommunisten teilgenommen. Demirci hatte immer seine Unschuld beteuert und vor Gericht angegeben, den Beerdigungen als Journalist beigewohnt zu haben.

Seit April vergangenen Jahres haben Familienangehörige Demircis und weitere Unterstützer jeden Mittwoch in der Kölner Innenstadt für die Freilassung demonstriert.

Autor: 
Von Jochen Hilgers
Veröffentlicht: 
WDR Nachrichten, 07.02.2019
Thema: 
Verwirrung um die Haftenlassung von Adil Demirci - Beobachter rätseln über Hintergründe der Falschinformation - Nächsten Donnerstag wird Demirci erneut der Prozess gemacht