Traum oder Größenwahn?

Kreuzt eines Tages "Karl der Große" oder Helmut Kohl" auf den Weltmeeren? Die Politik diskutiert plötzlich die Idee eines deutsch-französischen Flugzeugträgers. Finde ich gut!", erklärt die Kanzlerin. Was steckt hinter diesem überraschenden Vorstoß?

Ich weiß gar nicht, wo wir die ganzen Flugzeugträger hinstellen sollen", scherzte Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) einst, als Donald Trump Deutschland ermahnte, zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts in die Rüstung zu stecken. Zwei Jahre später bringt Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) den Bau eines Flugzeugträgers ernsthaft ins Spiel. Bereits heute planten beide Länder ein gemeinsames Kampfflugzeug. Im nächsten Schritt könnten wir mit dem symbolischen Projekt des Baus eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers beginnen", schrieb die CDU-Vorsitzende Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron in der Antwort auf dessen EU-Reformvorschläge. Damit könne auch die globale Rolle der EU als Sicherheits- und Friedensmacht" Ausdruck verliehen werden.

Von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gab es prompt Unterstützung: Das finde ich richtig und gut. Und ich bin gerne bereit, daran mitzuarbeiten."

Christian Mölling, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei der Deutschen Gesellschalt für Auswärtige Politik: "So ganz passt die Flughöhe dieses Vorschlags und die momentanen politischen Realitäten nicht zusammen. Aber das kann sich ändern", sagte er. "Letztlich ist es eine Frage der gemeinsamen politischen Vision, des gemeinsamen Wollens. Offenbar wollte die mögliche künftige deutsche Regierungschefin hier ein sichtbares Signal setzen."

Ein deutsch-französischer Flugzeugträger bräuchte eine gemeinsames Kommando. Frankreich und Deutschland bauten bereits eine Transportflugzeugflotte mit gemeinsamen Kommando auf, so Mölling. Bis zur Fertigstellung eines Trägers blieben 20 Jahre, also genug Zeit sich auf` Kommando-Strukturen zu einigen."

Die SPD lehnt den Vorstoß ab. Verteidigungsexperte Rolf Mützenich sagte: Das wäre ein Paradigmenwechsel im Selbstverständnis europäischer Sicherheitspolitik. Unabhängig von den riesigen Kosten sind Flugzeugträger ein militärisches Machtinstrument und Symbol für den Anspruch weit ausgreifender Operationen - einschließlich nuklearer Optionen. Entweder ist Frau Merkel und Frau Kramp-Karrenbauer die Fantasie durchgegangen, oder sie möchten der EU eine neue militärische Ausrichtung geben. Letzteres scheint mir wahrscheinlich, nachdem sie auch einer uneingeschränkten Rüstungspraxis das Wort geredet haben."

Autor: 
Von Christian Burmeister und Jörg Köpke
Veröffentlicht: 
Frankfurter Rundschau, 14.03.2019
Thema: 
Union wirbt für einen europäischen Flugzeugträger