Jetzt geht's zum Wahlvolk auf die Straße

Trotz TV-Duellen und Medien-Demokratie: Kölns Politiker glauben, der Freiluft-Wahlkampf sei durch nichts zu ersetzen.

Zugpferde müssen her, die Wähler wollen die Spitzenpolitiker hautnah erleben. Darin herrscht in Kölns Parteizentralen Einigkeit. Und so werden sie alle in Köln auftauchen: Kanzler Schröder, Kandidat Stoiber, Außenminister Fischer und FDP-Chef Westerwelle.

Für Kölns CDU-Parteivorsitzenden unterscheidet sich der Bundestagswahlkampf des Jahres 2002 ganz erheblich von seinen Vorgängern. "Die Medien, vor allem das Fernsehen, bestimmen das Bild", sagt Richard Blömer. Auch wenn "ich persönlich von den TV-Duellen Schröder gegen Stoiber gar nichts halte", habe die Partei daraus Konsequenzen gezogen, vor allem zu deutlich weniger Podiumsdiskussionen eingeladen. "Wir glauben, dass die Wähler durch die vielen Runden im TV sehr gut informiert sind." Der Wahlkampf der CDU in Köln werde sich auf zwei Dinge konzentrieren: Veranstaltungen mit Spitzenpolitikern und persönliche Ansprache an Ständen, auf Märkten und bei Hausbesuchen.

Auf Prominenz setzt auch die SPD. Vor allem im Wahlkreis Ehrenfeld /Nippes /Chorweiler habe man dem Ersatzkandidaten Rolf Mützenich bundespolitische Schützenhilfe zugesichert. Die Kölner SPD setze auf einen kräftigen Schub durch den Kanzlerauftritt am 9. September. Im Straßenwahlkampf spiele der Spendenskandal kaum noch eine Rolle. In den wenigen Fällen steckten das die Parteimitglieder nicht so leicht weg. Ott: "Die fragen sich schon, warum sie sich anhören müssen: Du bist doch korrupt, die gehörst ins Gefängnis." Grundsätzlich sei die Stimmung positiv: "Alle wissen, dass es darauf ankommt, unsere Wähler zu mobilisieren."

Bei den Grünen hat die Zuspitzung der Wahlkampfaktivitäten auf Außenminister Joschka Fischer kaum Widerspruch hervor gerufen. "Darin unterscheidet sich unser Wahlkampf von dem vor vier Jahren erheblich", sagt Parteisprecherin Csilla Imre. Die Bundestagsabgeordneten Kerstin Müller, Volker Beck und Reinhard Loske könnten gar nicht alle Termine wahrnehmen. "Seit wir mitregieren, sind sie viel mehr gefragt." Die Kölner Grünen werden angesichts der SPD-Spendenaffäre keine Zweitstimmen-Kampagne starten. "Sollte es in der letzten Woche eine landesweite Kampagne geben, werden wir uns anschließen."

Die Kölner FDP hat ihre Wahlkampfaktivitäten im Gegensatz zu 1998 vervierfacht. "Das ist eine Folge unserer 18-Prozent-Kampagne", sagtWahlkampfleiter Marco Mendorf. "Wir machen erstmals einen Erststimmen-Wahlkampf, haben rund 2000 Kandidatenplakate geklebt." Man werde rund 30 000 Briefe an Jungwähler verschicken. Das habe es in der Geschichte der Kölner FDP noch nie gegeben.

Autor: 
Von Peter Berger
Veröffentlicht: 
Kölner Stadt-Anzeiger, 06.09.2002
Thema: 
Kölns Politiker glauben, der Freiluft-Wahlkampf sei durch nichts zu ersetzen.