Auch in Deutschland mehren sich die kritischen Stimmen. „Die Reaktion der israelischen Regierung ist unangemessen“, so der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte: „Das ist unsouverän und demokratisch nicht klug.“
Grass behauptet in seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Er wirft Israel vor, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden.
Die Hamburger Autorenvereinigung rief dazu auf, die Auseinandersetzung in der Literaturszene zu führen. „Dass sie in den politischen Bereich schwappt, mag einem Autor, der Lust am Streit hat, nicht ungelegen kommen“, so Sprecher Peter Schmidt. Aber hier gehe es um mehr als die Befindlichkeit eines Günter Grass. „Hier geht es um die Freiheit der Kunst, die ein Charakteristikum demokratisch verfasster Staaten ist.“
Persona non grata
Eine Persona non grata ist ein unerwünschter Mensch. Wenn eine Regierung jemanden so bezeichnet, ist der Betroffene nicht willkommen. Der Begriff wird offiziell für Diplomaten verwendet, die ein Land verlassen müssen oder nicht einreisen dürfen.
Nach dem „Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen“ kann ein Staat einem anderen jederzeit mitteilen, dass der Missionschef oder ein Mitglied des diplomatischen Personals eine Persona non grata ist.
Im allgemeinen Sprachgebrauch taucht der Begriff in vielen Bereichen auf, eine juristische Grundlage gibt es meistens nicht.
Wegen seines kritischen Gedichts wurde Literaturnobelpreisträger Günter Grass von der israelischen Regierung zur Persona non grata erklärt.
Aber nicht nur Regierungen erklären Menschen zu einer Persona non grata. 2011 reagierte zum Beispiel das Filmfestival in Cannes auf Äußerungen des Dänen Lars von Trier. „Ich bin ein Nazi“, hatte der Regisseur gesagt und „Ich verstehe Hitler.“. Obwohl er sich kurz danach entschuldigte, erklärten ihn die Organisatoren für das laufende Festival als unerwünschte Person. dpa
Märkische Allgemeine Zeitung, 10.04.2012



