„Fünf Jahre Krieg im Irak: Wer schafft den Frieden?“ Darüber hat Zumachauf dem „Dellbrücker Forum“ mit dem SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich,dem Bundestags-Fraktionsvize der Grünen, Jürgen Trittin, und demUS-Experten John Hulsman diskutiert.
Zumachs Analyse: Die US-Truppen seien im Irak so verhasst, dass es ohneAbzug keine Verbesserung der Lage geben könne. „Die Amerikaner sindnicht Teil der Lösung, sie sind Teil des Problems“, sagt er. Doch droheder Irak nach einem Abzug noch tiefer ins Chaos zu stürzen. Ebendeshalb sei eine UN-Truppe unverzichtbar, so der Politikexperte, derauch für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ schreibt. „Die Soldaten müssen ausLändern stammen, die nicht am Krieg beteiligt waren - oder, nochbesser, die gegen diesen Krieg waren.“
Trittin und Mützenich teilen Zumachs Problembeschreibung, lehnen aberseine Schlussfolgerungen ab. Ohne die Vereinten Nationen sei eineZivilisierung des Konfliktes nicht zu erreichen, erklärt RolfMützenich. „Dennoch tue ich mich schwer zu sagen, dass deutscheSoldaten an einem UN-Mandat beteiligt werden müssten“, sagt er. „DieSoldaten würden mit Sicherheit in Kämpfe verwickelt.“
Jürgen Trittin vertritt die Auffassung, die Vereinten Nationen könnteneinen Einsatz im Irak gar nicht leisten. Bei der bislang größtenBlauhelmmission der UN, nämlich jener im Kongo, seien etwa 20 000Soldaten im Einsatz - für den Irak wäre das Fünffache nötig, sagt er.Der Grüne verlangt: „Die Amerikaner haben diesen Krieg geführt. Siedürfen nicht gehen, ohne dass eine Lösung zumindest im Ansatz auf denWeg gebracht ist.“
Auch der US-Experte John Hulsman befürchtet, die Amerikaner könnten denIrak zu früh verlassen. „Gerade wenn Barack Obama der nächsteUS-Präsident sein sollte, wird der Druck seiner Unterstützer enormsein, möglichst schnell den Abzug zu organisieren“, sagt deramerikanische Politikwissenschaftler. Andreas Zumach beklagt: „Obamahat bislang über den Abzug der Kampftruppen hinaus kein Konzept für denIrak vorgelegt.“
Dafür erhält er viel Applaus von den rund 350 Menschen in derChristuskirche in Köln-Dellbrück, so wie für alle seineamerikakritischen Äußerungen. Doch immer wenn Zumach darüber spricht,wie der deutsche Beitrag für eine Lösung im Irak aussehen sollte,herrscht eine bedrückte Stille.
Kölner Stadt-Anzeiger, 27.02.2008



